Schwierige Bibelstelle: Matthäus 17, 21

"Diese Art fährt nur aus durch Gebet und Fasten."

(Matthäus 17,21; Bibelübersetzung nach Schlachter 2000)

Zu meinem Hintergrund:

Ich habe Theologie studiert – vor allem dabei auch die historisch-kritische Methode, die in der evangelischen Kirche weit verbreitet ist. Dabei werden die Texte der Bibel regelrecht zerpflückt und in ihren Einzelstücken auf ihre Historizität geprüft. So findet man z.B. einen Satzbau bei Paulus, der nur einmal in seinen ganzen Briefen vorkommt und schlussfolgert dann, dass dieser Satz unmöglich von Paulus sein kann. Also wird er als „unpaulinisch“ entfernt. Und natürlich werden all die Verse und Passagen, die in den alten Textfunden nicht vorkommen, genau unter die Lupe genommen und größtenteils entfernt.

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Und so bleibt am Ende, wenn du das konsequent durchziehst, ein sehr „schlankes Gerippe“ vom Wort Gottes übrig, was historisch einwandfrei von Markus, Paulus, oder anderen ist. Zugleich ist dieses Gerippe dann kraftlos, weil natürlich Aussagen wie „Und diese Zeichen werden denen folgen, die glauben…“ entfernt wurden. Diese sind nicht nur historisch-kritisch nicht haltbar, sondern auch noch von ihrer Aussage her mystizistisch und unglaubhaft.

Ich erspare dir, wie „pervers“ sich Theologien aus diesem Ansatz der historisch-kritischen Methode weiterentwickeln. Denn das Ergebnis ist erschreckend: Ich lernte viele Pfarrer kennen, die nicht an Jesus glauben, geschweige denn eine persönliche Beziehung zu ihm haben! Ein sehr berühmter Theologe, Eugen Drewermann, über den ich meine Masterarbeit schrieb und der immer noch regelmäßig bei uns in Recklinghausen „predigt“, erklärt seinen Glauben so:

Gott ist nur eine Idee. Eine hilfreiche Idee, aber eben nur eine Idee.

Zum aktuellen Stand von mir:

Dann wurde ich von euch eingeladen, dass DHT zu lehren, was ich natürlich mit dem größten Vergnügen tue… bis auf eine Stelle: „Diese Art fährt nicht aus außer…“. Ich habe bei JGLM schon oft die Auslegung gehört, dass man diesen Vers weglassen könne, denn er komme im Urtext nicht vor. So handhaben es übrigens auch die meisten deutschen Bibelübersetzungen. Doch jetzt mal ehrlich: Das können wir nicht bringen! Wenn wir anfangen, Stellen in der Bibel zu streichen, dann müssen wir das konsequent durchziehen! Wir können nicht nur sagen, dass das Wort "fasten" bei Markus 9, 29 in den Urschriften fehlt. Dann müssen wir auch sagen, dass z.B. das gesamte Kapitel 16 des Markusevangeliums auch nicht in die Bibel gehört. Denn es fehlt ebenfalls in bedeutenden Urschriften! Und dieser Gedanke wäre fatal! Steht doch dort der bahnbrechende Satz von Jesus:

"Und diese Zeichen werden denen folgen, die an mich glauben..."

Das erste Mal, als ich das DHT zu dieser Stelle lehrte, behauptete ich, dass das Wort "Fasten" bei Markus fehle. Prompt meldete sich ein belesener Zuhörer und argumentierte genau so, wie ich es gerade schrieb. Und er traf einen Nerv bei mir. Denn ich dachte ja genauso wie er. Seitdem habe ich an dieser Stelle immer nur noch herumgedruckst, die verschiedenen Auslegungsvarianten erwähnt, und den Blick des Zuhörers schnell auf „das wahre Fasten“ gelenkt. Denn darin stimmen wir wieder völlig überein:

Wunder der Heilung und Befreiung erleben wir NUR durch unseren Glauben,
und nicht durch irgendeine Methode wie Fasten.

 

Und plötzlich bekam ich eine Erkenntnis:

Ich sag es gleich vorweg: Mit meiner jetzigen Auslegung halte ich mich komplett aus dem Streichen von Worten und Sätzen im Urtext raus. Denn du wirst sehen: Es ist egal, ob der Vers fehlt, oder ob nur ein Wort fehlt, oder oder oder… Welch eine Befreiung!!! Hallelujah!

Vor einiger Zeit hörte ich die Idee, dass mit „diese Art“ in Mt. 17 gar nicht die Dämonen gemeint sein müssen:

„Aber diese Art fährt nicht aus außer durch Gebet und Fasten.“ (nach Schlachter 2000)

„Art“ – genos (Strongs 1085)

– meint Herkunft, Familie, Rasse – wir haben das deutsche Wort „Gen“ daraus gewonnen. Wenn damit wirklich der Dämon gemeint ist, sagt Jesus, dass es quasi unter den Dämonen bestimmte Rassen gibt. Die einen scheinen dann schwerer, die anderen weniger schwer zu vertreiben zu sein. Aber an keiner anderen Stelle der Bibel redet Jesus von irgendwelchen Untergruppen von Dämonen, oder widmet seine Lehre derart deutlich der Dämonologie. Doch leider fahren wir Menschen voll darauf ab. Scheinbar lieben wir es, uns vielfältigen Spekulationen und verwirrender Theologien hinzugeben und damit unsere Zuhörer zu verunsichern. Google doch einfach mal "Dämonologie Bibel" und du bekommst bestätigt, was ich meine. (Oder tue es doch besser nicht! Es verwirrt nur...)

Vom Kontext her geht es aber gar nicht um den Dämon: Bei Lukas wird diese Geschichte sehr knapp erzählt – einfach nur als ein Wunder, welches Jesus tat. Punkt. Matthäus tritt die ganze Geschichte etwas breiter aus und führt die Aufmerksamkeit – wie Markus auch – auf die Frage der Jünger: „Warum konnten wir es nicht tun?“ In der Version von Matthäus sehen wir sehr schön, dass Jesus gleich zweimal das Augenmerk auf den Unglauben lenkt:

V. 17: „Oh du ungläubiges […] Geschlecht“
V. 20: „Um eures Unglaubens willen…“.

Der Dämon dagegen ist Jesus kein Kommentar wert. Ihm befiehlt er, und er fährt aus.

Deshalb, mit „genos“ ist nicht der Dämon gemeint, sondern etwas, das seit Urzeiten im Menschen verankert ist. Es bedeutet genau das, was tief in unseren Genen steckt: Unser Unglaube. Mit dieser Auslegung würde Jesus seine angefangene Lehrreihe über den Unglauben in diesen Versen fortsetzen – und quasi zum dritten Mal in Folge über den Unglauben sprechen (V. 17+19+21). Das ist ein roter Faden, den sowohl Matthäus als auch Markus spannt.

Ein weiteres Übersetzungsproblem finden wir in dem Ausdruck „ausfahren“.

Denn in den meisten deutschen Übersetzungen wird der Begriff „ausfahren“ an zwei Stellen in diesem Text verwendet: V. 18+21 (wenn sie nicht schon von sich aus V. 21 einfach weglassen). Zusammen mit der Frage der Jünger, wo es ja wirklich um das autoritäre, mächtige und übernatürlicher Austreiben des Dämons geht, wird der Leser dahin gebracht zu glauben, dass alle drei Stellen das gleiche aussagen:

V. 18: „Und Jesus befahl dem Dämon, und er fuhr von ihm aus…“ (Strongs 1831)
V. 19: „Warum konnten wir ihn nicht austreiben?“ (Strongs 1544)
V. 21: „Diese Art fährt nur aus durch…“ (Strongs 1607)

Die Menge-Bibelübersetzung gebraucht sogar in V. 21 die Übersetzung „austreiben“, was so gar nicht geht! Aber das zeigt mir, wie vorgeprägt / vereinnahmt viele Übersetzer und Bibelwissenschaftler einfach sind. Dabei ist es so einfach:

18 – Strongs 1831 (exerchomai) – aus etwas rausgehen, weggehen
19 – Strongs 1544 (ekballo) – austreiben, verbannen
21 – Strongs 1607 (ekporeuomai) – weggehen, jemanden dazu bringen zu gehen

Im V. 19 steht das, was wir von Curry kennen: Mit Autorität auftreten! Kraftvoll, energisch, kämpferisch. Aber in V. 18 und 21 ist die Rede von weggehen. Nach dem Befehl ging der Dämon weg.
Wenn wir beten und fasten, also unseren Fokus auf Gott richten,

  • indem wir „ohne Unterlass beten“,
  • indem wir hilfsbedürftigen Menschen helfen,
  • indem wir einzig und allein für IHN leben,
  • und meinetwegen auch auf Essen, oder sonst noch etwas verzichten, solange es den Sinn hat, dass unser Fokus auf IHN gerichtet wird…

Wenn wir also so beten und fasten, geht unser Unglaube weg.

Erst mit DIESEM Verständnis macht für mich auch der Vers 20 einen Sinn. Der steht nämlich zwischen dem Ganzen: „Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn…“

 

Fazit:

In dem ganzen Text geht es Jesus EINZIG und ALLEIN um den Glauben, bzw. dem Loswerden des Unglaubens. Wenn ich das so sehe, ist es völlig egal, ob der V. 21 bei Matthäus steht, oder das Wort Fasten bei Markus fehlt, oder nicht. Denn es verändert die Gesamtaussage des Textes nicht. Schwierig wird es erst dann, wenn ich meine, dass Jesus mit „diese Art“ eine „Rasse (oder Familie) von Dämonen“ anspricht und neue Auflagen zum Vertreiben von dieser Dämonengattung erklärt.

Nach dieser Erkenntnis durch das Studium des Wortes Gottes ist mir ein Stein vom Herzen gefallen. Ich freue mich, wenn ich dies im nächsten DHT so erzählen kann – weil ich keine Krücken mehr bauen muss, und weil ich mich nicht historisch-kritisch positionieren muss.

 

UND:

Seit dem faste ich – aktuell einmal pro Woche – „um meines Unglaubens willen“. Ich habe noch nie gefastet, weil ich den Sinn für mich darin nicht sah. Aber nun kenne ich ihn. Und ich freue mich schon jetzt auf meinen nächsten „Jesus-Tag“. Weil ich da den ganzen Tag, getrieben vom spürbaren Hunger, an ihn denke und mit ihm rede. Seit dem bin ich so verliebt in ihn, wie nie zuvor 😉

Stephan Kobabe, Oer-Erkenschwick, 07.04.2019

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